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Allgemein Offseason 2023

Offseason Ausblick 2023

Mit dem Week 18 Spiel gegen die Tampa Bay Buccaneers ist die Saison der Atlanta Falcons einmal mehr ohne Playoffs zu Ende gegangen. Das Team war bis in den Dezember hinein noch im Playoff-Rennen, was jedoch vor allem an der schwachen NFC South lag, als an einem guten Record. Am Ende holten die Falcons 7 Siege bei 10 Niederlagen und picken einmal mehr in den Top 10 mit dem 8.Pick im 2023 Draft.

Man muss dem Team zugute halten, dass die Erwartungen mit 7 Siegen übertroffen wurden und es im Rahmen seiner Möglichkeiten mehr herausgeholt hat als vor Saisonbeginn zu erwarten war. Insbesondere mit dem extremen Handicap von 83 Millionen US-$ an Dead Cap. Dies machte fast 40% des gesamten Salary Caps aus und ist ein gewichtiges Argument, warum der Kader qualitativ zum Bodensatz der Liga gehörte.

Zur Saison 2023 sieht es deutlich anders aus. Aktuell haben die Falcons fast 71 Millionen US-$ an Cap Space zur Verfügung, wenn die Free Agency startet. Mit einem, Stand heute, sehr wahrscheinlichen Cut von Marcus Mariota kann das verfügbare Geld auf 83 Millionen US-$ erhöht werden. Damit haben die Falcons nach den Bears den meisten Cap Space zur Verfügung für die 2023 Free Agency. Somit haben Terry Fontenot und Arthur Smith die Möglichkeit das Talentlevel im Team deutlich zu erhöhen und so eine höheren Floor zu haben. Denn wenn den Falcons in 2022 abgegangen ist, ist es Depth und NFL-Starter-Niveau auf jeder Position.

Der Coaching Staff

Bevor wir aber mit einem Ausblick auf die Free Agency anfangen, soll noch der Coaching Staff erwähnt werden. Die Falcons haben eine klare Handschrift in der Offensive und obwohl der Gegner wusste, was auf ihn zukommt, konnte kein Team das Run Game der Falcons wirklich stoppen. Das lag zum einen daran, dass Allgeier eine großartige Saison gespielt hat und zum anderen daran, dass die Offensive Line hervorragend im Run Blocking war. Das Scheme passt hier also gut zum Personal. Auf der anderen Seite kränkelt das Passing Game doch sehr, was an mangelnder Qualität liegt, aber auch an dem eher schwächeren Pass Blocking der Offensive Line. Somit muss man festhalten, dass zumindest dahingehend Arthur Smith doch einiges herausholt. Mit ein paar Upgrades könnte hier die Offense nächste Saison nochmal einen Schritt nach vorne machen.

Anders sieht das Ganze in der Defense aus. Zwar scheint vieles auf bend-but-don’t-break ausgelegt zu sein, dennoch bietet die Defense wenig positive Ansatzpunkte. Es ist weiterhin viel zu einfach, den Ball gegen die Falcons Defense zu bewegen. David Blough sah in Woche 17 aus wie ein legitimer NFL-Starter. Das Playcalling von Pees wirkt ängstlich und die Falcons holen zum wiederholten Male kaum Sacks und gehören in anderen Defense Stats zum Bodensatz der Liga. Auch hier kann man das Argument anführen, dass die Cap Situation die Möglichkeiten der Defense limitiert, es fühlt sich aber eher so an, als ob das Scheme von Pees einfach nicht zum vorhandenen Personal passt. An dieser Stelle wollten wir zumindest eine Diskussion um Dean Pees in den Raum stellen, welche aber durch Pees selbst erledigt wurde. Er verkündete gestern seinen Eintritt in die Rente. Somit befinden sich die Falcons ab sofort auf der Suche nach einem neuen DC.

Die Frage an der Stelle ist, wie lange noch die Leine für den Coaching Staff ist. Man hat trotz mieser Cap Situation einige Spiele eng gestalten können. Gibt es noch eine weitere Übergangssaison oder muss es eine Winning Season werden mit Playoff-Teilnahme? In einem Interview bezüglich seiner veränderten Rolle äußerte sich Rich McKay zumindest so, dass die Saison 2023 intern als weiteres Übergangsjahr gesehen wird.

Die Kader-Baustellen Offense

Der Record der Falcons täuscht etwas darüber hinweg, wie viele Baustellen der Kader eigentlich hat. Die einzige Positionsgruppe, der man attestieren kann, durchgehend auf überdurchschnittlichem NFL Niveau zu spielen, sind die Running Backs. Was in der aktuellen NFL eher nicht so gut ist. Mit Chris Lindstrom hat man einen All-Pro-Kaliber RG in der Offensive Line. Ansonsten haben Pitts und London bisher genug gezeigt, um weiterhin um sie herum die Offense aufzubauen. Darüber hinaus wird es auf Seiten der Offense bereits dünn.

Beginnend mit der Offensive Line lässt sich festhalten, dass man mit Matthews weiterhin einen soliden LT hat. McGary spielte ein gutes, sogenanntes Contract-Year, ist aber aktuell Free Agent und dürfte nicht allzu günstig werden. Somit könnte RT in 2023 eine Baustelle sein, die geschlossen werden muss. Wilkinson hat bis zu seiner Verletzung eine solide Saison auf LG gespielt, ist aber ebenfalls Free Agent. Dalman hat sich auf Center in der Pre-Season gegen Hennessy durchgesetzt, was jedoch hängen bleibt, sind die regelmäßigen Probleme bei Under-the-Center Snaps. Hennessy kann sinnvoll gecuttet werden und es scheint realistisch zu sein, dass es wieder einen Konkurrenzkampf geben wird auf der Position. Bei potentiellen Neuzugängen muss dabei aber auch geschaut werden, dass die Qualitäten im Pass Blocking besser sind als die von McGary, Dalman und Wilkinson.

Selbst für eine Run-First Offense ist das Waffenarsenal der Falcons nicht gut genug. Hinter Drake London fehlt auf Wide Receiver eine verlässliche zweite Option. Alle weiteren Wide Receiver im Team sind eher ein Wide Receiver #3 als eine klare #2. Pitts Verletzung hat die Problemzone noch stärker aufgedeckt, wobei Pitts diese Saison mehr als TE eingesetzt wurde und weniger als Matchup-Albtraum im Passing Game. Das ändert sich hoffentlich wieder zur nächsten Saison, denn ansonsten wäre der Pick wirklich eine Verschwendung gewesen. Problem ist nur, dass die Optionen auf dem Free Agent Markt für einen neuen WR2 eher überschaubar sind.

Die spannendste Position ist die des QBs in der kommenden Saison. Hat Desmond Ridder dem Coaching Staff genug gezeigt, um eine volle Pre-Season und Season als Starter zu bekommen? Fraglich ist jedoch, ob es eine bessere Option in der FA geben wird. Ein spektakulärer Trade für einen QB kann immer passieren, aber der behutsame Aufbau von Ridder spricht eher dafür, dass er die Saison 2023 als QB1 beginnen darf. Dann stellt sich vor allem die Frage wer der Backup-QB sein wird. Angeknüpft daran stellt sich die Frage wie viel Druck der Coaching Staff für die Saison 2023 hat gewisse Ziele zu erreichen.

Die Kader-Baustellen Defense

Wo soll man da bitte anfangen? Wie im Teil zu Dean Pees schon geschrieben, sieht die Defense wieder einmal nicht gut aus. Das liegt sicherlich auch am niedrigen Talent Level im Kader. Beweis dafür ist, dass die Falcons mit am wenigsten Salary für die Defense ausgeben. Somit gibt es hier auf der Seite eindeutig einiges an Potential für Verbesserungen, insbesondere was die Depth angeht, jedoch sind auch einige Starter bisher eher enttäuschend. Auf der anderen Seite muss man festhalten, dass die Defense zumindest weniger Punkte zulässt als im letzten Jahr, was aber auch davon beeinflusst wird, dass die Offense immer wieder lange Drives hinlegen kann durch das Run Game.

Beginnend an der Defensive Front fehlt es weiterhin an Durchschlagskraft. Man ist zwar nicht ganz so katastrophal wie letzte Saison, aber dennoch ist die Sack Production viel zu gering. Während die Eagles beispielsweise 4 Spieler mit 10 oder mehr Sacks haben warten die Falcons seit Vic Beasley’s wundersamer Saison auf einen Spieler mit 10+ Sacks. Der diesjährige 2nd Round Pick Ebiketie hat eine gute und vielversprechende Pressure Rate, die bisher noch nicht in Sacks umgemünzt wird. Grady Jarrett ist weiterhin der Anker der Line und zeigt sich verbessert zum Vorjahr. Mit TQ Graham gibt es einen weiteren Baustein für die Zukunft. Darüber hinaus wird es bereits dünn. Lorenzo Carter ist solide und Malone ist ein Passrushspezialist. Ansonsten braucht der Passrush generell mehr Waffen und eine höhere Qualität. Die Defense kommt vor allem deshalb kaum vom Feld und muss immer wieder lange Drives des Gegners aushalten.

Das LB-Corps ist schwer einzuschätzen. Evans wurde als Vet ins Team geholt und ist ein vernünftiger Starter, wird aber FA. Eigentlich startete Walker in die Saison als defensive Playcaller, diese Rolle hat er schon länger nicht mehr inne und in den letzten Wochen der Saison hat er dann seine Rolle als Partner von Evans an Rookie Troy Andersen verloren. Andersen hat im College wenig Erfahrung auf LB gesammelt, besticht aber durch seine Athletik. Ihm ist einiges zuzutrauen, wenn er die Basics der Position weiter verinnerlicht. Es steht also vermutlich weiterhin ein Umbruch auf der LB Position an.

Die Defensive Backs sind weiterhin eine Problemzone der Falcons. Terrell hatte einen schwachen Saisonstart, ist aber wieder auf der Höhe. Mit Casey Hayward konnte ein guter Vet verpflichtet werden, der auf CB2 ein deutliches Upgrade dargestellt hat, sich jedoch frühzeitig verletzte und out for the season war. Somit war das schnell dahin und das Finden der optimalen Zusammensetzung hat sich über die komplette Saison gezogen. Ob jedoch bei den Cornerbacks jemand dabei ist, der zum dauerhaften Starter taugt, ist noch offen, da so viel hin und her geschoben wurde. Der Spieler, der über die letzten Wochen der Saison am meisten überzeugt hat und auch Free Agent wird, ist Isaiah Oliver. Er sollte von den internen Free Agents mit die höchste Priorität genießen. Leidtragender der Oliver Performance ist etwas überraschend Hawkins, da Oliver einige Snaps auf Safety gesehen hat, zu kosten von Hawkins. Free Safety könnte also eine Position sein, die in der Offseason neu aufgestellt wird. An Richie Grant scheiden sich die Gemüter. Er deutet immer wieder sein Potential an, aber es bleibt oft das Gefühl zurück er wird nicht optimal eingesetzt und sollte deutlich mehr in der Nähe der Line of Scrimmage spielen, also mehr ein Box Safety sein. Dennoch bleibt festzuhalten das man auf nahezu jeder DB Position zumindest qualitativ bessere Alternativen und Depth ins Haus holen sollte.

Goodbye 2022, Hello 2023

Abschließend lässt sich sagen, dass die Saison 2022 positiver verlaufen ist als zu erwarten war, was für den Coaching Staff spricht. Dennoch steht mit der Saison 2023 eine Saison vor der Tür, in der das Team die Weichen für die Zukunft stellen muss. Die Altlasten in Form von Dead Cap sind nicht mehr da und es gibt viele Möglichkeiten sich gut für die nächsten Jahre aufzustellen. Man wird vermutlich noch nicht den Druck haben, die Playoffs erreichen zu müssen, aber es gilt, näher an einen Winning Record heranzukommen. Zusätzlich erlaubt der viele freie Salary Cap sich in der FA gezielt zu verstärken und im Draft best player available zu gehen, um so noch mehr Talent ins Team zu bringen.

Es steht eine sehr interessante Offseason bevor!

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