Kategorien
Allgemein

Salary Cap 2021 – Die Lage in Atlanta

Bevor wir die Lage des Salary Caps der Atlanta Falcons betrachten, steigen wir mit der Geschichte des NFL Salary Caps ein. Dieser ist im Vergleich zum Alter der NFL noch recht jung. Erst zur 75. Saison, im Jahr 1994, wurde der Salary Cap in der NFL aktiv eingeführt. Im Jahr 1992 haben die Spieler mit einer Klage gegen die Einschränkungen in einer möglichen Free Agency vom US-Bundesgericht Recht bekommen und den Prozess gewonnen. Nun konnten Spieler, deren Verträge ausgelaufen sind, sich dem Team anschließen, welches das meiste Geld geboten hat. Als Reaktion darauf suchte die NFL eine Möglichkeit, um die Wettbewerbsfairness zu erhalten. Die Lösung war der Salary Cap, mit dem für alle Teams ein einheitliches und einzuhaltendes Budget für Spielergehälter eingeführt wurde.

Reglementiert wird der Salary Cap durch das Collective Bargaining Agreement (CBA), einem Tarifvertrag zwischen der NFL und den Spielern. Im CBA ist auch die Vertragssprache verankert und wird vorgegeben, wie das Gehalt und diverse Boni angerechnet werden. Darüber hinaus ist es auch wichtig zu beachten, dass der Salary Cap auch durch Spieler belastet werden kann, die nicht mehr Teil des Kaders sind. Dieses Konzept nennt sich Dead Money, damit Teams aus “schlechten” Verträgen nicht ohne Konsequenzen herauskommen. Für all diese Komponenten ist es immer wichtig zu wissen, welche Bestandteile eines Vertrages garantiert sind und welche optional. Daraus leitet sich dann ab, welche Komponente für den Salary Cap der jeweiligen Saison relevant ist. Eine gute Quelle für diese Angaben ist zum Beispiel overthecap.com oder spotrac.com.

Durch das Coronavirus könnte, zum ersten Mal seit Jahren, der Salary Cap zur nächsten Saison niedriger sein als in der Vorsaison. Dies bringt die Planung der Teams durcheinander und gerade GMs, die nahe an der Obergrenze des Caps agieren, werden viel Arbeit leisten müssen, um möglicherweise die Gehaltskosten zu senken. Diese Beschreibung trifft auf die Atlanta Falcons ebenfalls zu. Damit wird der neue GM einiges zu tun haben, neben der Draftvorbereitung und der Abstimmung mit dem Coaching Staff für die Free Agency.

Die Situation nach Ende der Saison 2020
Bereits vor Beginn des neuen Liga-Jahres im März haben die Atlanta Falcons 32 von möglichen 54 Spieler im Kader und stehen bei einem Salary Cap von über 203 Millionen US-Dollar. Dieser Wert übersteigt sogar bereits den 2020er Salary Cap. Erste Schätzungen im Sommer 2020 für die Höhe des Salary Caps 2021 lagen bei 175 Millionen US-Dollar. Somit müsste der zukünftige Falcons GM etwa 25 Millionen einsparen, um die 32 Spieler mit gültigem Vertrag für 2021 unter dem zu erwartenden Salary Cap zu halten. Anfang Dezember gab es eine neue Schätzung die wesentlich optimistischer ist und den Cap auf etwa 195 Millionen US-Dollar setzt (Link).

Egal wie am Ende des Tages der Salary Cap aussieht, es muss einiges getan werden, um den Kader mit Free Agents sinnvoll zu verstärken und die Draft Klasse unterzubringen. Nachfolgend betrachten wir die sinnvollsten Möglichkeiten, um sich etwas finanziellen Spielraum zu verschaffen, sei es durch einen Cut, Trade oder ein Restructure. Ein Cut oder ein Restructure sind dabei meistens die einfachsten und effizientesten Lösungen, während bei einem Trade mehrere Parteien mitspielen müssen. Bei einem potenziellen Cut gilt es zu beachten, dass etwaige Garantien und gewisse Boni weiterhin zählen. Somit macht ein Cut nur Sinn wenn die Cap Einsparung höher ist als das Dead Money. Beispielsweise würde ein Cut von Dante Fowler, der eine, gelinde gesagt, überschaubare Saison spielt, 15 Millionen an Dead Money in die Bücher schreiben. Dem gegenüber stehen 3 Millionen an Einsparungen, weshalb ein Cut von Fowler kaum Sinn machen würde.

Spieler (Position)Cut Pre-June 1 Einsparung (Dead Money)Cut Post-June 1
Ito Smith (RB)0.920 Mio (0.155 Mio)
Deadrin Senat (DL)0.920 Mio (0.204 Mio)
Isaiah Oliver (CB)1.11 Mio (0.363 Mio)
Keith Smith (FB)0.683 Mio (0.733 Mio)1.050 Mio (0.366 Mio)
Allen Bailey (DL)4.500 Mio (1.625 Mio)
James Carpenter (OG)4.041 Mio (2.416 Mio)5.250 Mio (1.208 Mio)
Ricardo Allen (S)6.250 Mio (2.125 Mio)
https://overthecap.com/salary-cap/atlanta-falcons/

Allen, Bailey und Carpenter sind anhand der fast 15 Mio US-Dollar an Cap Einsparung klare Cut Kandidaten. Sollte Carpenter als Post-June 1 Cut deklariert werden sind es sogar 16 Mio US-Dollar an Einsparung, verschiebt aber die Hälfte seines Dead Money in die Saison 2022. Spieler die aufgrund ihrer Rolle in dieser Saison und vor allem ihrer Leistung Cut-Kandidaten sind, sind Ito Smith, Deadrin Senat und Isaiah Oliver, wobei vor allem Smith zum Ende der Saison einen besseren Eindruck hinterlassen hat. Hier können weitere 3 Mio US-Dollar eingespart werden. Ein Spieler, bei dem die Falcons-Zukunft meiner Meinung nach vom künftigen Head Coach abhängt, der eine weitere Option für einen Post-June 1 Cut ist, ist Fullback Keith Smith.

Restructure Möglichkeiten bei den Atlanta Falcons
Mit Spielern, die wichtige Säulen im Team sind und gehalten werden sollen, kann der Vertrag umstrukturiert werden. Dies funktioniert praktisch so, dass ein Teil des Gehalts in einen Bonus umgewandelt wird, der in der Regel direkt gezahlt wird, aber mit Blick auf den Salary Cap über die restliche Vertragslaufzeit gleichmäßig verteilt wird. Dies kann kurzfristig Cap Space schaffen, aber birgt die Gefahr auf Dauer neue Probleme zu kreieren. Auch muss sich das Team sicher sein, dass der Spieler zumindest seinen Vertrag aus Teamsicht erfüllen wird und sie ihn nicht vorzeitig cutten werden und so Dead Money erzeugen (kann trotzdem passieren, aber ein Cut lohnt sich dann natürlich erst später im Vertrag).

Spieler (Position)Restructure Einsparung
Matt Ryan (QB)14.616 Mio
Julio Jones (WR)9.483 Mio
Jake Matthews (LT)8.006 Mio
Grady Jarrett (DT)6.225 Mio
Dante Fowler (DE)6.005 Mio
Deion Jones (LB)4.806 Mio
https://overthecap.com/salary-cap/atlanta-falcons/

Bei diesen sechs Spielern gilt, dass ein Cut mehr Dead Money als Einsparungen mit sich bringt und sie auch als Säulen des Teams zu sehen sind (Ausnahme Fowler in der Saison 2020), womit ein Restructure die wesentlich bessere Alternative ist, um Cap Space zu schaffen. Durch die Umstrukturierung können potenziell 49.141 Mio US-Dollar gespart werden. Zusammen mit den Cuts können so fast 70 Mio US-Dollar eingespart werden und Platz gemacht werden für eigene Free Agents, externe Free Agents sowie die Rookie Class.

Hier ist es, in der aktuellen Situation in der sich die Falcons befinden, wichtig darauf zu verweisen, dass all diese Entscheidungen maßgeblich davon beeinflusst werden, wer der neue HC und wer der neue GM wird sowie wie deren Plan für unsere Falcons aussieht. Wir nehmen nochmal Dante Fowler als Beispiel. Ein Restructure in 2021 würde es deutlich schwerer machen ihn im Jahr 2022 zu cutten, da man danach nicht mehr 15 Mio US-Dollar Einsparungen mit etwa 4 Mio US-Dollar Dead Money hätte, sondern 15 Mio und 11 Mio US-Dollar Dead Money. Somit wäre der Vertrag von Fowler ein Fall in dem die neuen Entscheider möglicherweise sagen man restructured nicht, um sich die Möglichkeit eines sinnvollen Cuts offen zu lassen. Bei Oliver, Ito Smith und Senat kann es aufgrund der niedrigen Einsparungen auch sinnvoll sein sie ein weiteres Jahr im Kader zu behalten und sie vor einer möglichen Vertragsverlängerung neu zu evaluieren.

Der neue GM der Falcons und sein Team stehen vor einer Herausforderung, den Salary Cap einzuhalten und gleichzeitig ein kompetitives Team zusammenzustellen, um die möglicherweise letzten Jahre von Matty Ice und Julio nicht zu verschwenden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert