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HC Kandidaten – Defense Edition

Nachdem wir uns vorgestern bereits die Offense-Kandidaten angeschaut haben, wollen wir uns heute den HC-Kandidaten mit defensivem Background zuwenden. Zum Ende dieses Artikels und dieser zweiteiligen Serie nennen dann noch alle drei Sturzflug-Autoren ihre persönlichen Top 3. Doch zuerst werfen wir einen Blick auf die defensiven Kandidaten.

Robert Saleh: Saleh wurde, ähnlich wie Bieniemy, bereits letztes Jahr als heißer HC-Kandidat gehandelt. Saleh ist der Defensive Coordinator der San Francisco 49ers und in seiner vierten Saison in dieser Rolle. Saleh, 41, arbeitet seit fast 20 Jahren im Coaching, ausschließlich auf Seiten der Defense. 

Pro: Die 49ers-Defense gehörte 2020 erneut zu den klar besseren in der Liga, nachdem Saleh bereits 2019 eine der Top-Units der Liga betreute. Die Leistung war 2020 aber noch einmal ein Stück beeindruckender, da den 49ers verletzungsbedingt mehrere wichtige Spieler in der Defense fehlten, am prominentesten Nick Bosa, der sich in Woche 2 das Saisonaus zuzog. Saleh zeigte einige schematische gute Anpassungen, um die Ausfälle so gut wie möglich zu kompensieren, und kann nun schon das zweite sehr überzeugende Jahr als DC vorweisen. Saleh gilt als „Leader of Men“, wurde von Kyle Shanahan und Richard Sherman ausdrücklich als HC empfohlen und hat in San Francisco einen sehr guten Ruf. 

Contra: Saleh hat einen gewissen Dan Quinn – Vibe: Erfolgreich mit einer personell sehr gut und selbst 2020 immer noch ordentlich besetzten Defense, viel Cover 3, viel Verantwortung der Corner, ohne ein bestimmtes Pass Rush-Niveau kommt das Scheme schwer zum Tragen. Die grundsätzlichen Nachteile eines defensive-minded HCs haben wir bereits erläutert, aber auch unter den DC wäre Saleh nicht unsere erste Wahl. Ein Player’s Coach, der auch sonst einige schematische Parallelen mit Quinn aufweist? Vielleicht nicht der optimale Nachfolger, wenn man Veränderung will.

Todd Bowles: Bowles ist der einzig bekannte Kandidat mit HC-Erfahrung in der NFL und mit 57 Jahren auch der älteste Kandidat. Er arbeitete bereits bei sieben verschiedenen Franchises, darunter bei den Eagles, Cardinals und aktuell Bucs als Defensive Coordinator sowie vier Jahre lang bei den Jets als HC. 

Pro: Der Track Record von Bowles als DC ist stark. Bei den Cardinals leistete er sehr gute Arbeit und wurde 2014 zum NFL Assistant Coach of The Year gewählt. Auch in Tampa kann er in seinen zwei Jahren als DC eine sehr positive Bilanz aufweisen und half der Bucs-Defense, von einer der schlechtesten Defenses 2018 zu einer Top 10 – Unit 2019 zu werden. 2020 ist die Defense der Bucs ebenfalls in den Top 10 einzuordnen und steht für ein aggressives, blitz-heavy Scheme, das unter anderem als eine der ganz wenigen Defenses in dieser Saison Aaron Rodgers zur Verzweiflung brachte. 

Contra: So gut die Bilanz von Bowles als DC ist, so schlecht ist sie als HC. Bei den Jets hatte er in vier Jahren nur eine Winning Season in seinem ersten Jahr als HC, danach gingen die Jets von 2016-2018 5-11, 5-11 und 4-12. Ein Bewerbungsschreiben als HC sieht anders aus, obwohl er überschaubares Talent zur Verfügung hatte. In New York wurde er unter anderem für schlechtes Clock Management und konservative in-game Entscheidungen kritisiert. Bowles ist vermutlich einer der Coaches, der ein guter bis sehr guter Coordinator, aber kein guter HC ist. 

Brandon Staley: Mit Staley ist, im Gegensatz zu den anderen Kandidaten, noch kein Interview geplant oder bereits geführt worden. Nachdem zum Beispiel Arthur Smith bereits ein zweites Interview mit den Falcons hatte, erscheint es aktuell eher unwahrscheinlich, dass Staley, mit dem noch gar kein Interview geführt wurde, eine größere Rolle in den Überlegungen spielt. Er wurde aber mit den Falcons in Verbindung gebracht und wird auf dem Head Coach Tracker auf der Falcons-Website weiterhin als Kandidat geführt, weswegen wir auch ihn unter die Lupe nehmen wollen. Staley, 38, ist seit dieser Saison der Defensive Coordinator der Los Angeles Rams. Zuvor arbeitete er erst am College und dann bei den Chicago Bears sowie Denver Broncos als Outside Linebackers Coach. 

Pro: Staley erhielt in seiner ersten Saison als DC bereits viel Lob für seine Arbeit bei den Rams. Während die Rams-Defense 2019 unter dem angesehenen DC Wade Phillips im oberen Mittelmaß der Liga einzuordnen war, führte Staley sie zur nach EPA stärksten Defense der Liga – ohne dass sich die Rams in der Offseason nennenswert verstärkt hätten. Staley kommt aus dem Coaching Tree von Vic Fangio und hat von einem der besten DCs der Liga gelernt. Er legt besonderes Augenmerk auf die Pass Defense und schickt vergleichsweise wenig Spieler in die Box. Trotzdem haben die Rams den Run gut genug verteidigt, während sie in der Luft nur sehr schwer zu schlagen waren. Staley steht für eine für den gegnerischen QB höchst unangenehme Defense, die ihre Coverage oft nur schwer zu erkennen lässt und viel vor dem Snap rotiert. Dazu wird er, ähnlich wie Rams-HC Sean McVay, als Football-besessener und lernbegieriger Coach beschrieben und wurde von mehreren Rams-Spielern über den grünen Klee gelobt. Ein spannendes, ausführlicheres Profil von Staley bei The Athletic findet ihr hier.

Contra: Staley verfügt über eine individuell starke Defense, die nicht nur mit CB Jaylon Ramsey und S John Johnson zwei der auf ihrer Position besten Spieler der Liga auf den für die Defense wichtigsten Positionen verfügt. Sie hat mit Aaron Donald auch ein absolutes Ausnahmetalent und den besten Defense-Spieler seiner Generation in ihren Reihen. Mit dieser Besetzung ist die Erwartungshaltung an die Defense zurecht hoch. Dazu braucht Staley ein relativ hohes Level in der D-Line, das er in Atlanta vermutlich nicht in derselben Qualität hat, damit er den Run auch ohne viele Spieler in die Box zu schicken halbwegs stoppen kann. Und wie Joe Brady hat auch Staley erst ein Jahr als Coordinator in der NFL auf seinem Konto, womit mangelnde Erfahrung womöglich ein Thema ist.

Weitere mögliche Kandidaten: Die Suche ist inzwischen bereits so weit fortgeschritten, dass neue Kandidaten vermutlich ziemlich unwahrscheinlich sind. Der Vollständigkeit halber wollen wir trotzdem die wahrscheinlichsten Namen nennen, die noch ein Thema werden könnten. Brian Daboll, Matt Eberflus und Marvin Lewis sind Coaches, die bereits bei mindestens zwei anderen Franchises mit offenem HC-Job interviewt wurden. Der heißeste Name, der noch ein Kandidat werden könnte, ist aber sicher Doug Pederson, der gerade bei den Philadelphia Eagles entlassen wurde. Pederson, der mit den Eagles einen Super Bowl gewinnen konnte, hat in der Liga immer noch einen sehr guten Ruf und gilt als Analytics-freundlicher HC. Er wäre ein spannender Kandidat und es würde uns nicht sonderlich überraschen, wenn er noch ein Interview bei den Falcons erhält.

Die Top 3 des Sturzflug-Teams: Beschließen wollen wir diesen Überblick mit unseren persönlichen Favoriten. Dafür durfte jeder Sturzflug-Autor seine Top 3 nennen und diese begründen. Diese Wahl ist dabei herausgekommen:

Marko: 1. Bieniemy, 2. Brady, 3. Smith – man weiß nie, ob ein guter OC ein guter HC wird, aber nimm einen kompetenten offensiven Geist und drück die Daumen.

Sven: 1. Brady, 2. Smith, 3. Staley – ein junger und moderner HC würde der Franchise gut tun und frischen Wind reinbringen.

Ferdi: 1. Brady, 2. Bieniemy, 3. Staley – Brady hat sich zu meinem klaren Favoriten entwickelt, weil er das Komplettpaket aus “talentierter Coach, tolles Scheme, Erfolg bei verschiedenen Stationen, offensive-minded” ist. Auch Bieniemy würde mir weiterhin sehr gut gefallen, und Staley ist mein liebster DC, den ich vor “run it into the wall” Arthur Smith setze.

Wer ist euer persönlicher Favorit als neuer HC der Falcons? Teilt es uns gerne mit.

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