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Dean Pees – Ein Überflug

Arthur Smith hat in Tennessee etliche Coaching Regimes erlebt und hat dadurch einen großen Pool an potentiellen Staff-Mitgliedern für sein Team in Atlanta. Dean Pees war DC der Titans 2018 und 2019, und ist bereits im Gespräch als ein möglicher defensiver Coach – oder eventuell sogar DC – in Atlanta. Hier ein kurzer Überblick.

Pees bringt auf jeden Fall eines mit: Er. Fah. Rung. Er coacht seit 1979 Defense, hat unter Nick Saban, Bill Belichick und John Harbaugh gearbeitet und verbrachte 12 Jahre davon als Defensive Coordinator in der NFL. Gesehen hat er alles.

Pees zeichnet sich hierbei als extrem flexibler aber fundamental sauberer Coach aus: Seine Defenses tendieren zu 3-4, aber er passt sie immer dem Personal an, dass er zur Verfügung hat. Er coacht vielseitig und will die Defense auf alle Eventualitäten vorbereitet sehen. Das bedeutet auch gute in-game adjustments, Überraschungsformationen und wenig Penalties.

Hier ist ein Überblick über seine Karriere als NFL DC durch die EPA-Brille:

JahrTeamEPA/playEPA/dbEPA/run1D by penaltiesKommentar
2006NE68831AFC CG loss
2007NE101308SB loss
2008NE191465
2009NE1512204
2012BAL1113927SB win
2013BAL9121219
2014BAL1421315
2015BAL2630829
2016BAL811514
2017BAL221213
2018TEN108211
2019TEN1415115AFC CG loss
Daten via rbsdm.com und pro-football-reference.com

Pees hat also in 10 von 12 Saisonen eine überdurchschnittliche Defense produziert, was in Anbetracht dessen, dass Defense extrem volatil ist und es schwer ist, sie konstant gut zu halten, Beachtung verdient. 

Defensive Philosophie

Pees hat jedes defensive System de facto durchgemacht und zeichnet sich durch enorme Flexibilität aus. Wenn der Kader besser einer 4-3 Under hergibt, coacht er das. Wenn es eher eine two-gap 3-4 ist, eben das. Er achtet stark darauf, was seine Spieler können und was nicht, und passt den Plan dem an.

Sein Scheme beinhaltet etliche kreative Blitze und er ist sehr gut darin, wenn notwendig, Coverage zu disguisen. Da sein Background bei den Linebackern liegt, haben diese unter ihm meistens gute Entwicklungen durchgemacht. Außerdem misst er der Position als Schlüsselstelle zwischen Coverage und Pass Rush eine besondere Bedeutung zu, was in etlichen guten LB Karrieren unter seinem Coaching gipfelte (Jerod Mayo, CJ Mosley, Za’Darius Smith, etc.).

Der immer lesenswerte Ted Nguyen hat letzten November eine Pressure von Pees detailliert analysiert, um aufzuzeigen, wie sehr derartige Kreativität den 2020er Titans, nach Pees erneuter Pensionierung, fehlte. Wer ein The Athletic Abo hat (höchst empfehlenswert!) geht hierhin.

Und auch im Interview mit Florian Schmitt haben wir nur Gutes gehört über Pees.

Sollte Pees seine Tendenz zur 3-4 Base Defense nach Atlanta mitnehmen, könnte das mit dem aktuellen Personal so aussehen: 

Position1st String2nd String
NTTyeler DavisonDeadrin Senat
DEGrady Jarrett
DEMarlon DavidsonJohn Cominsky
EDGEDante FowlerCharles Harris
EDGESteven MeansJacob Tuioiti-Mariner
ILBDeion Jones
ILBFoyesade OluokonMykal Walker

Auf Edge/OLB wird man unabhängig vom DC und seinem präferierten System etwas tun müssen. Ein Wechsel zu 3-4 könnte bedeuten, sofern Allen Bailey wie erwartet gecuttet wird, dass man noch etwas in der Interior D-Line macht und einen weiteren 3-technique holt.       

Wir sehen einen potentiellen Wechsel zu 3-4 aber nicht so kritisch wie man vermuten könnte, nachdem die Falcons jahrelang 4-3 gespielt haben. Ein Wechsel zu 3-4 könnte den 2020er Zweitrundenpick Marlon Davidson in eine für ihn gut passende Rolle bringen, auch für John Cominsky scheint die Rolle als 3-4 DE prädestiniert zu sein. Deadrin Senat könnte, sofern er die Chance erhält, ein sehr ordentlicher Nose Tackle sein, ansonsten hat man mit Tyler Davison auch einen zwar nicht besonderen, aber verlässlichen Spieler für diese Position. Debo Jones und Foye Oluokon würden auch im 3-4 beide starten, mit Oluokun als demjenigen, der häufiger als Blitzer eingesetzt wird. Mykal Walker wäre dann gute depth. Und auf Edge wird man wie bereits erwähnt sowieso etwas tun müssen, mit Dante Fowler als dem einzig wirklichen Edge, der auch 2021 unter Vertrag steht, und dessen überschaubaren Leistungen. 

Generell ist die Bedeutung der Base-Defense aber nicht mehr so hoch wie sie einmal war und es wird aufgrund der immer passlastigeren Liga viel in Nickel- oder Dime-Formationen gespielt. Daher ist es zwar interessant, sich zu überlegen, wie die Falcons-Defense in einem 3-4 ausschauen könnte, sollte aber nicht entscheidend dafür sein, wie viel man einer möglichen Dean Pees – Defense zutraut.

Hörempfehlung: Pees-Interview

Letzten Oktober war Dean Pees zu gast bei Coach Voss beim Make Defense Great Again Podcast, der jenseits von seinem Uff-Namen meist extrem gute Diskussionen zu defensiver Strategie bietet.

In der Folge erzählt Pees primär über seinen Zugang zum Gameplan, sowie 3rd Down Defense. Eine besonders spannende Anekdote zum Thema Wichtigkeit der Defense ist dass Belichick, der gern als defensiver Mastermind weil ehemaliger DC dargestellt wird, zu Pees’ Zeit in New England circa 45 Minuten pro Woche mit der Defense verbrachte. Den Rest der Zeit saß er bei Tom Brady und hat ihm erklärt, was Defenses gegen ihn vor haben.

Das untermauert nur das Argument, dass Defense in der heutigen NFL deutlich weniger Gewicht hat als Offense: Sogar jemand mit ausgiebigem defensivem Background wie Belichick weiß, wo der Hauptteil der Arbeit zu tun ist, um zu gewinnen.

Was nicht heißen soll, dass es egal ist, was die Defense macht. Aber es heißt auch, dass ein junger, offensiver HC wie Arthur Smith am besten einen erfahrenen DC holen sollte, wie es Sean McVay damals mit Wade Phillips gemacht hat. Jemand, dem er die Defense gedankenlos in Hände geben kann, um sich voll auf die Offense konzentrieren zu können.

So jemand wäre Pees. Wir sind gespannt, ob, und wenn ja, welche Rolle er in Atlanta haben wird.

“There’s a lot of schemes that work,” Pees said. “I mean, everybody has a different scheme, offensive scheme, defensive scheme, whatever it is. It isn’t about the scheme. You’ve got to believe in your scheme as the coach, and if they believe that you believe, that’s part of it. But I think the thing of it is, you get them to believe, and if they trust you and really believe that you care about them on and off the field, you can get people to do a lot of things. And I do truly care about them. In this career, I have never applied for a job. I’ve never interviewed for a job. I didn’t interview with Mike (Vrabel). I didn’t interview with John (Harbaugh). I didn’t interview with Bill (Belichick). Everything has always been word of mouth, and I’ve loved every job that I had. I think that’s the difference in coaching is there’s guys out there sometimes that are like, ‘What can I do to advance? What can I do to get ahead?’ Hey, you know what you can do? You can do a great job of where you are, and love where you are, and love the people that you’re with, and that’ll show, and somebody will call you rather than trying to worry about how fast can I advance somewhere. It isn’t about that. It’s about doing a great job and being loyal to the people that you work for. I can truly say I’ve loved every job I’ve had.”

— Dean Pees, Abschiedspressekonferenz in Tennessee, via The Athletic

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