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Draft – Pick und Positional Value

Die wohl kontroverseste Zeit in der NFL steht in den Startlöchern. Es ist Draft-Zeit und die große Zeit der College Spieler Evaluation und Berichte beginnt. Ein Mock Draft jagt den nächsten. Wie kontrovers diese Zeit des Jahres ist? In der deutschen NFL Bubble kann man sich nicht auf ein Demonstrativpronomen einigen. Der Draft? Die Draft? Das Draft? Wir sagen der Draft!

Im Draft haben zunächst einmal alle NFL Teams Picks. Zur Zeit sind das damit 32 Picks auf 7 Runden verteilt. Hinzukommen die sogenannten Compensatory Picks, die in einem weiteren Blogbeitrag behandelt werden. Somit hat prinzipiell ein Team pro Jahr 7 Picks, um sich College Spieler, die sich für den Draft angemeldet haben, zu sichern.

Die Leistungen der Vorsaison entscheiden dabei über die Position im Draft. Das Team mit dem schlechtesten Record pickt an der ersten Position in jeder Runde, während der Super Bowl Sieger an 32 pickt. Die ersten 18 Picks sind die Teams die nicht die Playoffs erreicht haben. Ab Pick 19 entscheiden der Zeitpunkt des Ausscheidens und der Record im Vergleich mit den Teams, die in der gleichen Runde ausscheiden, über die Position.

So langsam nähern wir uns dem Kern des Artikels. Jedes Team ist unterschiedlich aufgebaut und hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Jeder HC bevorzugt für seine Vorstellung von Football andere Spielertypen. Wenn sich Teams in einen Spieler verlieben, aber das Gefühl haben ein anderes Team das vor ihnen im Draft steht ist auch daran interessiert ihn zu picken, dann wird versucht einen Pick zu ertraden der dafür sorgt, dass sie dem konkurrierenden Team zuvorkommen. Hier setzen dann sicherlich auch psychologische Spielchen der Teams ein und der Begriff der “Smokescreen Season” wird in der Zeit häufiger verwendet. Damit wird verdeutlicht, dass Aussagen von Teams als falsche Fährte eingeschätzt werden, um andere Teams dazu zubringen Draftpick Trades ein zu fädeln.

Wer sich tiefer mit dem nachfolgendem Thema auseinandersetzen sowie mehr über die Methodik erfahren möchte, dem sei an dieser Stelle “The Drafting Stage” von Brad Spielberger (@PFF_Brad) und Jason Fitzgerald (@Jason_OTC) ans Herz gelegt.

Die erste Draft Value Chart

Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre hat sich der damalige Head Coach der Dallas Cowboys, Jimmy Johnson, dazu entschlossen eine Draft Trade Value Chart zu entwickeln. Die Zahlen entstanden in Zusammenarbeit mit dem Cowboys Vice President Mike McCoy. Ziel war es in erster Linie jedem Pick im Draft einen Wert zu geben, damit bei einem Trade von Draft Picks ein annähernd gleicher Wert getauscht wird. Ihre Tabelle haben sie mit den anderen Teams geteilt, damit für Verhandlungen alle die gleiche Basis haben. Und obwohl sich die NFL stark gewandelt hat finden sich immer noch deutliche Einflüsse der Jimmy Johnson Chart in der heutigen NFL. Nicht nur, dass die Chart vereinzelt noch als Orientierung für Trades genutzt wird, sondern auch das CBA aus 2011 hat für die Gehälter der Rookies die Chart genutzt, um das Gehalt dem Pick anzupassen. Zur Jimmy Johnson Value Chart hier entlang.

Die Jimmy Johnson Draft Chart hat jedoch mehrere Schwächen die anzusprechen sind. Zum einen wird argumentiert, dass die hohen Draft Picks im Verhältnis überbewertet sind, während die Picks in den mittleren Runden stark unterbewertet sind. Leicht unterbewertet sind die Late Round Picks. Die Zahlen basieren zumindest teilweise auf einer Betrachtung der damaligen Trades, jedoch sind die Zahlen dennoch recht zufällig. Zusätzlich zu der Randomness der Zahlen kommt noch hinzu, dass die Chart keinerlei statistische Analysen oder Leistungen im Wert der einzelnen Picks berücksichtigt und eingearbeitet hat. Im Laufe der Zeit wurden immer wieder neue Charts entwickelt, die vor allem die Über- und Unterbewertungen bereinigen sollten oder um die Chart einfach zu modernisieren, wie die Chart von Rich Hill, die vor allem das CBA von 2011 zur Grundlage nimmt und neuere Draft Pick Trades berücksichtigt.

Die Fitzgerald-Spielberger Draft Value Chart

Wir springen jetzt jedoch direkt zur Fitzgerald-Spielberger Draft Value Chart und übergehen die weiteren Charts. Fitzgerald und Spielberger entwickelten eine Chart, in der auch die “Zukunft” anhand von früheren Picks und deren Werdegängen mit in den Draft Pick Value einfließt. Angelehnt an die erste Draft Value Chart hat auch hier der erste Pick des Drafts den Wert 3000. Wir werden die Draft Value Chart ebenfalls nutzen, um einige Draft Pick Trades der Falcons zu bewerten. Zur Value Chart geht es hier entlang.

TierBeschreibungT5APY
Top 10Elite Starter80%+ of T5APY
Top 15High Level Starter70 – 79,99%
Top 202nd Level Starter60 – 69,99%
Top 25Part Time Starter / Situational50 – 59,99%
Top 30Situational / Part Time Starter40 – 49,99%
Top 40Backup30 – 39,99%
Top 50Stopgap20 – 29,99%
Top 70Replacement Level10 – 19,99%
NFL Player Tiers by relative T5APY

Aus den verwendeten Daten werden die Spieler anhand des relativen T5APY in Gruppen unterteilt und ihr zu erwartendes beziehungsweise entsprechendes Niveau eingeteilt. Für den Draft lässt sich basierend auf den historischen Daten das zu erwartende (oder auch teilweise erhoffte) Niveau der PIcks ableiten.

Wie lassen die beiden nun die “Zukunft” in ihre Tabelle einfließen? Sie nutzen dafür das sogenannte “T5APY”, welches für Top 5 Average Per Year steht. Das T5APY nimmt für die jeweilige Spielerposition die fünf höchsten Gehälter und bildet daraus den Durchschnitt. Anschließend wird das Gehalt ins Verhältnis gesetzt, z.B. stehen 60-69,99% of T5APY für einen 2nd Level Starter. In Hinblick auf die Rookies stellt das T5APY den Erwartungswert dar, den der jeweilige Pick mit seinem zweiten Vertrag erhalten wird. Im Durchschnitt erhält der First Pick eines Drafts 98,27% des T5APY auf seiner Position. Das Einbeziehen des positionsspezifischen T5APY ist wichtig, da beispielsweise das eines QB sich in anderen Dimensionen bewegt als das eines Tackles. Mit diesen Informationen lässt sich für Teams besser abschätzen wie der Cap-Hit des Draft Picks sich auf die Zukunft auswirken kann. Mit Hilfe des Prozentsatzes lässt sich somit eine neue Value Chart bilden. So wird bei einem Trade von Draft Picks bereits auch die mögliche Qualität des Spielers berücksichtigt, anhand historischer Draft- und Vertragsdaten. Damit kann dann ein Trade mit wesentlich mehr Informationen und Implikationen bewertet werden.

Draft und Positional Value

Ein weiterer Aspekt der aus diesen Informationen herausgezogen werden kann ist der Zusammenhang von Draft Picks und Positional Values. So kann analysiert werden, ob es nicht sinnvoll ist gewisse Positionen früh im Draft zu picken und andere Positionen erst später anzugehen, da der Rookievertrag deutlich günstiger sein kann als das T5APY, aber der Einfluss und die Produktion des Spielers dem eines wesentlich höher bezahlten Starters gleichen kann. Ein Beispiel aus den letzten Drafts wäre hier DE Nick Bosa, der an 2 von den 49ers gezogen wurde im Jahr 2019. Mit dem Vertrag des zweiten Picks liegt Bosa bei 40% des T5APY der DEs. Der Wert liegt 13 Millionen unter dem T5APY-Wert auf seiner Position. Dies erlaubt es, beispielsweise, einen Top RB zu verpflichten, da die 13 Millionen 102% T5APY der RBs ist.

Im Draft 2018 war der 2nd Pick Saquon Barkley. Sein Rookievertrag hat zu dem Zeitpunkt das dritthöchste APY aller RB-Verträge, während Bosa nur auf Platz 26 unter DEs ist. Nimmt man nun wieder die 13 Millionen die oben übrig geblieben sind, um einen DE zu verpflichten, kann man einen Vertrag herausgeben für 63,49% des T5APY von DEs. Entsprechend der obigen Tabelle ist dies ein “2nd Level Starter”, während man bei der umgekehrten herangehensweise einen Elite RB in der FA verpflichten könnte. Somit erhält man auf den DE einen großen Rabatt und Elite/Starter-Level Produktion während man mit dem RB an 2 sofort einen der teuersten Verträge auf der Position bekommt. Natürlich bietet nicht jeder Draft diese Möglichkeit und man muss es immer nuanciert betrachten, aber aus Teambuilding + Salary Cap Sicht macht ein früher RB Pick eher weniger Sinn.

TierBeschreibungPick
Top 10Elite Starter1 – 3
Top 15High Level Starter4 – 5
Top 202nd Level Starter6 – 18
Top 25Part Time Starter / Situational19 – 33
Top 30Situational / Part Time Starter34 – 61
Top 40Backup62 – 111
Top 50Stopgap112 – 203
Top 70Replacement Level204 – 256
Expected Tier by Draft Pick

Ein weiterer sehr interessanter Punkt den wir noch betrachten können liegt in der Suche nach Late Round Gems. In “The Drafting Stage” wird der Vergleich zwischen DE und OT gezogen. Dabei zeigt sich vor allem für die Runden 5, 6 und 7, also den Picks 136 – 256, das Teams dort immer wieder Spieler finden deren zweiter Vertrag als Tier 1, 2 oder 3 T5APY Bereich eingestuft wird. Somit lässt sich für beide Tackle Positionen auch noch spät im Draft ein zumindest solider Starter für die eigene Offensive Line finden. Das komplette Gegenteil ist bisher für die Edge Rusher zu sehen. Für die gleichen Runden gab es bisher für 40 gedraftete Spieler nur 1 Vertrag im Bereich Tier 3. Der Rest war höchstens im Bereich des Backups anzusiedeln. Damit lässt sich festhalten, dass das Interesse an einem DE in den frühen Runden größer sein sollte als in den späteren. Ausgehend hiervon sollten die Tackles die in den genannten Runden gedraftet werden eher als Backup in der NFL enden und eher weniger als Starter. Dies sind nur Beispiele die uns als Daten zur Verfügung stehen, aber in den T5APY Draft Pick Value mit eingebaut sind. Weitere Daten sind bisher noch unter “Verschluss” für die Öffentlichkeit.

Mit mehr Daten kann die Prognose dann auch besser und genauer werden. Natürlich basiert das alles auf Prognosen und Wahrscheinlichkeiten und sollte immer wieder individuell betrachtet werden. Kein Draft gleicht dem anderen und die Qualität der zur Verfügung stehenden College Player ist für jede Position unterschiedlich. Die Informationen aus dem T5APY geben Teams jedoch eine gute Richtlinie wann im Draft möglicherweise noch guter Value zu finden ist.

Quo Vadis Falcons?

Übertragen wir das nun auf den anstehenden Draft und die Falcons. Mit der Barkley Analogie sollte klar sein warum es keinen Sinn macht an 4 einen RB zu picken. Auch der 35. Pick ist mit einem 15% T5APY noch recht teuer für einen RB, vor allem wenn man bedenkt wie sehr diese von den Umständen um sie herum abhängig sind. Ein Spieler der in der Verlosung für einen frühen Pick ist, ist OT Penei Sewell. Aber auch hier zeigt die Analyse von Brad und Jason, dass die O-Line auch erst später im Draft adressiert werden kann, vor allem da auch keine Dringlichkeit in Atlanta besteht. Pitts ist als TE eine Ausnahmeerscheinung hätte als vierter Pick im Draft aber ein relatives T5APY von 63,5%, was ähnlich der RB in Runde 1 Diskussion ähnlich ist. Zum Abschluss noch einen Blick auf die QBs. Ein QB an 4 hat ein 21,4% T5APY was nochmals zeigt warum ein QB auf einem Rookievertrag so wertvoll ist, da dieses im Verhältnis extrem günstig ist. Für den Fall der Falcons müsste man aber zumindest für die Jahre 2021 und 2022 auch Ryan in der Betrachtung berücksichtigen. Mit Ryan landet man bei 99,3% T5APY. Somit hätte man Ausgaben in Höhe eines Elite Starters auf der QB Position und verliert die Vorteile des günstigen Rookievertrages, solange Ryan an Bord ist. Auf der anderen Seite wird man vermutlich die nächsten Jahre nicht mehr so früh picken und die Qualität der diesjährigen QB Prospects ist im Vergleich zu anderen Jahren in der Bewertung höher.

Es steht also eine wegweisende, interessante aber auch schwere Entscheidung für die Falcons an, da man den Cap Hit, egal ob in Form von Dead Money oder nicht, von Matty Ryan auch in 2022 spüren wird.

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