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War die Matt Ryan Restructre alternativlos?

Wochen nach der Restructure von Matt Ryan, um zum Start des Ligajahres unter dem Salary Cap zu sein, stellt sich einigen Falcons Fans und Beatwritern weiterhin die Frage, ob diese wirklich so alternativlos war wie dargestellt. Wir hatten bereits über die Gründe für die ruhige Free Agency gesprochen, möchten das Thema Salary Cap und mögliche Alternativen im Vorgehen aufzeigen sowie das tatsächliche Vorgehen des neuen Front Offices tiefergehend beleuchten und was das alles impliziert.

Wir verzichten bewusst darauf aus den Entscheidungen die getroffen wurden, irgendwelche Implikationen für den Draft abzuleiten. Drehen wir also die Zeit für einen Moment zurück und schauen nochmal auf die Ausgangslage in Atlanta. Nach Ende der Saison 2020 standen die Falcons bei 203 Mio $ und waren damit etwa 20 Mio $ über dem Salary Cap für 2021 in Höhe von 183 Mio $. Hinzukommen entsprechend die 7 Mio $ Cap für die Rookies die benötigt werden sowie die Nutzung der ERFA und RFA Tender. Die Tender kosten die Falcons nochmals 8,2 Mio $. Damit kommen wir zu einem Minus von 35,2 Mio $, ohne die Verpflichtung von Spielern in der Free Agency. Nochmals on top kommen aufgrund des ausgedünnten Kaders etwa 6 Mio für Spieler die aus dem Practice Squad als vollwertige Spieler mit dem Minimum Base Salary gegen den Cap zählen. Ignorieren wir zunächst einmal für den ersten Schritt unserer Analyse die Verpflichtung von Free Agents. Hinzu kommen noch circa 3 Mio $ für das Practice Squad sowie ein Puffer für Verpflichtungen während der Saison um auf Verletzungen reagieren zu können, die wir erst einmal auch vernachlässigen werden.

Die Falcons mussten also bis zum 17. März 42,2 Mio $ “finden”. Zum Start ins Jahr hatten wir bereits einen Blick auf die “einfachen” Möglichkeiten für die Falcons geworfen, die wir hier nochmals schrittweise betrachten wollen. Mit Allen Bailey, Ricardo Allen und James Carpenter hat man die offensichtlichen und klaren Kandidaten dafür gecutted und so 14,8 Mio $ frei gemacht. Hier gibt es nicht viel zu analysieren, da alle drei Spieler mehr oder weniger verzichtbar geworden sind. Damit bleiben 27,4 Mio $ die es bis zum 17. März gebraucht hat. Schritt 2 und 3 auf dem Weg dahin waren der Restructure von LT Jake Matthews sowie der Paycut von DE Dante Fowler. Ersterer Move hat etwa 8,6 Mio $ frei gemacht und der Paycut etwa 7 Mio $. Somit sind wir aktuell bei einem Cap von -11,8 Mio $.

Damit sind wir am kritischen Punkt dieser Offseason angelangt. Die Falcons haben 45 Spieler im Kader, von denen zumindest ein Teil eher zum Practice Squad gehören wird als zum 53 Mann Kader an Spieltagen. Nicht alle Lücken wird man im Draft angehen können, vor allem wenn Terry Fontenot sich an seine Äußerungen hält und jeweils den Best Player Available pickt. Somit müssen die Falcons -11,8 Mio, um am ersten Tag des neuen Ligajahres unter der Cap-Grenze zu landen und darüber hinaus Ressourcen schaffen um den ein oder anderen Free Agent an Land zu ziehen. Schauen wir an dieser Stelle nochmal an die Möglichkeiten die damals noch zur Verfügung standen, nämlich vier weitere Restructures:

SpielerCap Savings
Matt Ryan14,616 Mio $
Julio Jones9,483 Mio $
Grady Jarrett6,3 Mio $
Deion Jones5,2 Mio $
Alle Daten via overthecap.com – außer bei Jarrett, wo wir einen Fehler in der OTC Datenbank korrigieren mussten

An diesem Punkt können wir erst einmal sagen es gab Alternativen zum Restructure von Matt Ryan. Die Kombinationen aus Deion Jones + Grady Jarrett oder Deion Jones + Julio Jones hätten in etwa den gleichen Cap Space geschaffen wie die 14 Mio $ die am Ende des Tages bei Ryan für die Saison 2021 eingespart wurden. Die Implikationen der Ryan Restructure haben wir bereits zweimal analysiert. Wenn es doch Alternativen gibt, warum hat es das neue Front Office hingenommen den Cap Hit für 2022 auf 49 Mio $ respektive 40,5 Mio $ Dead Cap (43,6 Mio $ respektive 15,6 Mio $ in 2023) für Ryan zu erhöhen anstatt die anderen Optionen zu ziehen?

Detailbetrachtung der weiteren Optionen

SpielerCap Gewinn 2021Cap Hit 2022Dead Cap 2022Savings 2022Cap Hit 2023Dead Cap 2023Savings 2023
Julio Jones9,4832427-32412,511,5
Grady Jarrett6,33013,616,4000
Deion Jones5,216,6133,7196,512,5
Alle Daten via overthecap.com – außer bei Jarrett, wo wir einen Fehler in der OTC Datenbank korrigieren mussten

Da wir hier alle Optionen analysieren wollen, schauen wir uns die möglichen Cap Auswirkungen bei einer Trennung vom Spieler ebenfalls an.

Wie wir gezeigt haben bedarf es eine Kombination aus zweien Restructures, um eine Alternative zu Matt Ryan’s Restructure darzustellen.

Der Fall Julio

Der Fall Julio Jones stellt sich de facto als unmachbar dar. Julios Cap Hit würde nach einer heurigen restructure 2022 so groß werden, dass ihn 2022 zu cutten mehr kostet, als ihn zu behalten. Es käme also einer Garantie im Jahr 2022 gleich, an dessen Ende Julio 34 wird. 

Julio ist außerdem öfter angeschlagen, als es wirkt. Selbst in seine (seltenen) 16-Spiele-Saisonen spielt er im Regelfall unter 80% der offensiven Snaps, zum Vergleich hat zB DeAndre Hopkins noch nie eine Saison mit weniger als 89% Snaps gespielt. Julio hat außerdem immer wieder die berühmten Decoy-Games, bei denen er zwar am Feld steht, aber hauptsächlich nur defensive Aufmerksamkeit bündelt, da er nicht fit genug ist, um tatsächlich das Passspiel zu tragen.  

Spieler mit so vielen kleinen, immer mitgeschleppten Verletzungen tun sich im Alter einfach schwerer diese zu überwinden – der Körper heilt nicht mehr so gut. Langfristig große Teile des Caps in der Phase seiner Karriere (am Übergang zum Larry Fitzgerald Status) an ihn zu binden, ist wenig ratsam, und Fontenot scheint sich dessen sehr bewusst zu sein.

Der Fall Debo

Der Fall Deion Jones wurde deutlich nach dem 17. März aber doch angegangen, und zwar nicht mit einer klassischen Restructure. Hierbei wurden 4 Mio aus seinem 2021er Gehalt als garantierter per game Roster Bonus ins Jahr 2022 verschoben und das 2022 Grundgehalt garantiert. Im Gegensatz zu einer Restructure, macht dieser Zugang einen Cut von Deion 2022 de facto unmöglich, sowie einen Trade schwieriger. 

Es erhöht aber die Flexibilität, die der Vertrag für Cap Gains 2022 (via Restructure) bietet, und lässt 2023 unberührt im Gegensatz zu einer Restructure.

Ohne hier genaues zu wissen, ist es vermutlich eine nicht weit hergeholte Spekulation zu behaupten, dass diese Verhandlung für diese kreative Art der Vertragsänderung nicht rechtzeitig zum 17. März fertig war, und eben länger brauchte um für beide Parteien gut ausverhandelt zu sein. Wir gehen also davon aus, dass am 17. März Fontenot diese Option noch nicht zur Verfügung stand, im Gegensatz zur Restructure. Eine Restructure zum 17. März hätte die jetzt gewählte Variante aber de facto unmöglich gemacht, da sie zweifelsfrei Boni nach 2022 und 2023 gedrückt hätte, was die dortige Lage erschwert hätte, nur um dafür mehr Flexibilität 2022 zu haben, sollte Debo doch im Übergangangsjahr nicht in Pees’ System passen. Dass Fontenot die Restructure übergangen und auf diese Variante gewartet hat spricht also einerseits dafür, dass er und Pees Debo als zentralen Team-Bestandteil auf mindestens zwei Jahre sehen, und andererseits, dass ihm die Cap-Flexbilität 2022 und 2023 sehr wichtig ist.

Der Fall Grady

Der Fall Grady Jarrett ist in gewisser Weise der komplizierteste, da bei Grady Jarrett die Restructure nicht der sich sofort anbietende Weg ist, um 2021 Cap frei zu machen. Hier wäre eine Extension für einen der wenigen Elite-Spieler, die du in dem Roster hast, der an sich erste Weg, den ein FO gehen wollen würde. Da wir die Extension bis heute nicht gesehen haben, und es sich auch Gerüchte häufen, dass die Verhandlungen schwierig sind – bereits die ersten Jarret-Extension war in allerletzter Sekunde vollbracht mit heftigem Hin- und Her zwischen den Falcons und Todd France, Jarrett’s Agent – können wir auch hier davon ausgehen, dass diese Option am 17. März nicht vorhanden war. Wir wissen zumindest, dass am 11. März noch nicht einmal ein Beginn einer Verhandlung zu verzeichnen war.

Im Gegensatz zur Extension ist eine Restructure ohne Einverständnis des Spielers möglich, insofern hatte man diese Option am 17. März durchaus. Allerdings gilt auch hier: Eine Restructure hätte eine spätere Extension durchaus beeinflusst. Alte Proration wird nämlich beibehalten bei einer Extension. Jede Extension jetzt baut also auf auf den ca. 14,7 Mio an Proration, die Grady derzeit in seinem Deal übrig hat, je 7.3 Mio in 2021 und 2022. Da eine Extension mit einer Menge neuem garantierten Geld einhergeht, ist die Frage, wohin diese Garantien gehen sollen. Aus Falcons Sicht, drängt Fontenot zu 100% auf minimales P5 Gehalt in 2021, und vermutlich auch auf minimales P5 Gehalt in 2022, da erst 2023 die neuen TV Deals Luft zu Cap-Atmen geben. Wenn in den beiden Jahren das Grundgehalt nur 2-3 oder vielleicht sogar 5 Mio an Garantien hergibt, und Todd France als Vergleich zB Leonard Williams’ Deal heranzieht, sind da noch immer 30 bis 40 Mio an Garantien ungeklärt.

Eine Option ist das 2023er Gehalt der Extension (zum Teil) zu garantieren, was bisher nur für wirklich außerordentliche Elite-Verträge der NFL vorbehalten war. Aber da das Gehalt in 2023 nicht realistisch die ganze offene Summe decken kann, muss wohl oder übel ein Teil auch als Signing Bonus und/oder Option Bonus realisiert werden. Und der schlägt sich wohl oder übel wiederum auf den Cap Gain aus, den die Extension 2021 und 2022 bringt.  

Womit wir bei der Restructure wären: Sie hätte am 17. März die Proration für diese beiden Jahre circa verdoppelt, auf je 13,5 Mio in 2021 und 2022. Jede Extension nach einer Restructure hätte also diesen noch zu definierenden neuen Signing Bonus oder Option Bonus draufgepackt auf diese 13,5 Mio. Das bedeutet, dass etliche Teile der Cap Gains der Restructure wieder zunichte gemacht werden würden. Wählt man, um das zumindest für 2021 zu umgehen, statt einem Signing Bonus einen Option Bonus ab 2022 (oder später) hätte France de facto Null an 2021 Cash für seinen Mandanten mit der Extension herausgeholt, was vermutlich nicht sonderlich einfach zu verkaufen wäre.

Kurzum: Eine Grady Extension nach einer Restructure ist 2021 relativ unsinnige Leere-Meilen-Akrobatik, weshalb es bei der Deadline am 17. März vermutlich eher eine entweder-oder-Entscheidung war. Die Restructure hatte Fontenot in seinem Arsenal, aber die Extension noch nicht. 

Das einzige Argument für eine Restructure am 17. März wäre, dass man damit relativ unkompliziert 2021 Cap frei kriegt, um dann erst 2022 die Extension in Ruhe zu verhandeln. Und es ist durchaus möglich, dass wir diesen Weg – verspätet – noch erleben werden. Aber klar ist auch, dass eine 2022 Extension teurer wird, einerseits wegen der TV Deals, und andererseits weil Grady dann ein ganzes Jahr näher an Free Agency dran ist, und die Gefahr besteht, dass er nicht groß verhandeln will. 

TL;DR

Wir sehen also, dass Fontenot durchaus andere Optionen hatte, am 17. März die nötigen Gelder aufzutreiben, ohne Ryans Vertrag zur Gänze heranzunehmen. Allerdings ist bei allen Optionen eine ziemlich gewichtige Fußnote dran, die wir versucht haben, hier im Detail herauszuarbeiten. Die Situation ist dank Thomas Dimitroffs Erbe sehr kompliziert gewesen zur Deadline hin, und es ist klar, dass Fontenot nicht die einfachsten Lösungen für ein Problem sucht, sondern wohlüberlegt recht nuancierte Entscheidungen trifft (was man eben über Dimitroff selten sagen konnte). Außerdem scheint er in seinen Entscheidungen nicht nur 2021 und 2022 im Blick zu haben, was bei der Langfristigkeit seines Vertrag einerseits logisch, aber auch in der NFL als solches nicht selbstverständlich ist. 

Wir wollten diesen Artikel ohne Implikationen für das Falcons-Vorgehen im April zusammenstellen, und es kann noch alles mögliche, in jede erdenkliche Richtung passieren, was unsere Einschätzung wieder ändern wird, aber derweil sind die bisherigen Moves in ihren Nuancen wirklich – vielleicht ist das die Quintessenz – noch nicht interpretierbar als ganz klar in diese oder jene Richtung deutend, ganz egal wie reißerisch manche Headline es wirken lässt, da schlichtweg die Anzahl an Möglichkeiten zu gering war.

Das ist zwar eine Qual ist für den wartenden, neugierigen Fan, aber auch gleichzeitig der Job eines GMs, der in seiner ersten Offseason nicht alles preisgeben will.

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