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Weitere Gedanken zur Matt Ryan Restructure

Jetzt, wo sich das erste Free Agency Gewusel lichtet, und die Falcons weiter erstaunlich ruhig bleiben, ist es an der Zeit, sich in Ruhe die Matt Ryan Restructure noch einmal anzusehen. Vielleicht hilft eine andere Perspektive, zu verstehen, was die Falcons vor haben, und erste Reaktionen zu relativeren.


Die Falcons waren die ersten Tage der Free Agency sehr sehr still, was vielleicht etwas verwundert, aber auch durchaus Sinn macht. Morgen werden wir hierzu auch einen genaueren Blick werfen, aber die Ruhe sagt auch etwas aus über den bisher größten Move der Offseason, die Restructure von Matt Ryan, über die wir hier bereits geschrieben haben. 

Mit etwas Ruhe und einem differenzierteren Blick auf Analysen wie die von Jeff Schultz bei The Athletic und bei Locked on Falcons öffnen sich durchaus auch andere Perspektiven auf die Entscheidung von Fontenot. Wir wollen hier die Frage nochmal diskutieren, ob die Restructure tatsächlich die Pläne für den Draft betreffen muss oder nicht.

Klar ist: Eine eindeutige Antwort darauf werden wir nicht bekommen bis April. Klar ist auch, dass das Front Office natürlich sagen muss, dass sie noch immer an allen Positionen interessiert sind für den vierten Pick. Aber vielleicht helfen uns die Zahlen einen Kontext für die Restructure zu finden, der uns ihre Bedeutung einordnen lässt.

Klar ist auch, dass Fontenot Druck hatte, bis zum 17.3. unter den Cap zu kommen und Aussicht darauf zu haben, einen intakten Roster 2021 stellen zu können. Wege dahin gab es nicht viele, und vermutlich stellten sich die Verhandlungen mit Grady Jarrett aufgrund der spät eintreffenden TV Deal News schwieriger dar als ursprünglich geplant. Der erste wichtige Hinweis ist also, dass Fontenet Ryan nur in allerletzter Sekunde restructured hat – nicht, weil es ein vorsätzlicher Plan war.

Eine mehrjährige Perspektive

Werfen wir einen Blick auf die Vertragszahlen von Ryan, so wirken die neuen Summen natürlich horrend, wie wir auch ausgeführt haben. Die ~40 Mio dead cap, um sich 2022 von ihm zu trennen, wirken im Vakuum enorm. Aber man muss cap hits immer in Relation zum Cap sehen, und daher werfen wir einen Blick auf die Restructure als Prozent des Caps und mit Hinblick auf die potentiell Entscheidung im Februar 2022. 

SaisonSalary CapMatt Ryan Cap hit VOR der Restructure% des CapDead Cap % des Cap
202118440,922,2%
202220341,720,5%26,513,1%
202321536,617,0%83,7%
Alle Daten via overthecap.com
SaisonSalary CapMatt Ryan Cap hit NACH der Restructure % des Cap Dead Cap % des Cap
202118426,914,6%
202220348,724,0%40,520,0%
202321543,620,3%15,67,3%
Alle Daten via overthecap.com

Wenn wir davon ausgehen, dass Fontenot den Plan hat, jetzt nochmal zwei, drei Jahre mit Matt Ryan voll anzugreifen, dann sehen wir, dass die Restructure ein notwendiger und sinnvoller Move ist: Sie senkt den summierten Zwei-Jahres-Hit von Ryan am Cap von ~43% auf ~39%. Über drei Jahre betrachtet senkt die Restructure auch den Anteil seines Cap Hits in dem Plan. Soweit so bekannt.

Aber was ist, wenn Fontenot vor hat, im Februar 2022 sich von Ryan zu trennen? Eine simple Rechnung hier zeigt uns: In dem Plan hat sich Ryans Zwei-Jahres-Cap-Hit von ~35% VOR der Restructure (22.2% Cap Hit 2021 plus 13.1% Dead Cap 2022) auf … ~35% NACH der Restructure verändert (14.6% 2021 Cap Hit plus 20% Dead Cap 2022).

Durch den Cap Anstieg von 2021 auf 2022 ist also aus der Perspektive die Restructure sozusagen cap-neutral. Sie hilft einfach 2021 einen Roster fielden zu können, und macht die Entscheidung sich 2022 von Ryan zu trennen nicht kostspieliger in einer mehrjährigen Perspektive – was Fontenots erklärtes und logisches Paradigma ja ist.

Ein berechtigter Einwand wäre: Aber wenn der Plan tatsächlich Reboot mit neuem QB und Ryan Trade/Cut im Februar 2022 ist, dann muss da der Rookie, der auf 4 gedraftet wird ja mit berechnet werden. Und das stimmt, hier ist Cap Hit des vierten Draft Slots:

JahrSalary CapCap Hit % des Cap
20211846,03,3%
20222037,53,7%
20232159,04,2%
Alle Daten via overthecap.com

Aber da dieses Gehalt von der Restructure ja unberührt ist, ändert das nichts daran, dass die Restructure selbst die Entscheidung im Februar 2022 nicht teurer macht aus einer mehrjährigen Perspektive.

Außerdem fällt hier auch auf: Ryan im Februar 2022 zu traden oder cutten macht ~8M (oder 4%) an Cap Space frei, circa genau das Gehalt des Rookies. Das Team, das Fontenot 2022 rund um die QB Position herum bauen kann, ist also exakt dasselbe, sei es nun ob er die 24% in Ryans Gehalt stecken will, oder lieber 20% in Ryan’s dead cap und 4% in den Rookie. Auch aus der Perspektive wird also deutlich, dass die Restructure selbst die Entscheidung zwischen Rebuild und Reboot also noch nicht fällt, sondern finanziell de facto beide Möglichkeiten offen lässt.

Wir können das Gesagte so zusammenfassen:

Langfristige Strategievor der Restructurenach der RestructureDifferenz
Rebuild mit Ryan:42,8%38,6%-4,2%
Reboot mit neuem QB:42,2%41,5%-0,7%
Alle Daten via overthecap.com

In dieser Tabelle haben wir die Zwei-Jahres-Cap% für 2021 und 2022 summiert für beide Pläne, und bei dem Reboot Modell den Rookie-Hit miteinbezogen. Wir sehen dass sich die Restructure “mehr” auszahlt im Rebuild-Plan. 

Aber wenn Fontenots Plan war, die Restructure nur wenn notwendig zu machen, weil er vor hat mit einem QB auf 4 das Team langfristig neu aufzustellen, dann sehen wir in der Perspektive, dass die Restructure diesem Plan nicht im Weg steht – sie ist auch hier ein leichter Gewinn über zwei Jahre betrachtet und schiebt einfach Geld aus einem schlechten Jahr (2021) in ein Cap-technisch besseres Jahr (2022) um einen funktionalen Roster heuer überhaupt zusammenzubekommen.

In einer Drei-Jahres Perspektive verschwindet fast schon der “Vorteil”, den die Restructure im Rebuild-Modell hat:

Langfristige Strategievor der Restructurenach der RestructureDifferenz
Rebuild mit Ryan:59,8%58,9%-0,9%
Reboot mit neuem QB:46,4%45,7%-0,7%

TL;DR

Klar wäre es nicht “fein” 20% des nächstjährigen Caps an einen Spieler zu zahlen, der nicht am Roster ist. Aber die 48 Mio (~24% in 2022) die Ryan Cap Hit hätte, wenn sie ihn spielen und zahlen sollten, sind auch alles andere als fein. (Fontenot empfand ja die 22%, die er heuer gehabt hätte schon als zu viel und einer Restructure würdig.)

Ist es also wahrscheinlich, dass die Falcons auf 4 weiter an QBs interessiert sind? Schwer zu sagen. Aber wir müssen unsere erste Overreaction vielleicht etwas relativieren und feststellen: Die Restructure selbst sagt vielleicht nicht so viel aus über die Draftpläne wie anfangs angenommen. 

Es kann sein, dass Fontenot weiterhin einen Rebuild Plan rund um Ryan verfolgt.

Es kann aber genausogut sein, dass er vor hat einen Qb auf 4 zu nehmen.

Es kann auch sein, dass er sich noch nicht entschieden hat, und das erst zum Draft hin tun wird. 

Der Punkt von dem Artikel ist: Die Restructure selbst gibt darauf weit weniger Auskunft als gemeinhin angenommen, sofern man eine mehrjährige Perspektive annimmt.

Und die dürfte für Fontenot schließlich ausschlaggebend sein. 

4 Antworten auf „Weitere Gedanken zur Matt Ryan Restructure“

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